Für böse Gärtner

Abgesehen davon, dass schon H.C. Artmann über den bösen Gärtner geschrieben hat, ist der Gärtner auch immer der Mörder. Endlich gibt es dazu eine praktische Handlungsanleitung zu den bevorstehenden Gartenarbeiten im Frühjahr. Amy Stewart hat mit Gemeine Gewächse ((Piper) ein ganz reizendes, etwas ungeordnet wirkendes Kompendium  gefährlicher Pflanzen zusammengestellt. Dass Eisenhut und Seidelbast giftig sind, weiß (hoffentlich) jedes Kind, aber Stewart kann mit dem einen oder anderen bizarren Schmankerl punkten. Dass exotische Bäume, Sträucher und Gräser ganz schön übel sein können braucht uns in diesen Breitengraden nicht übermäßig zu beunruhigen. Doch sind heimische Gewächse, wie man sie in jedem Garten findet auch nicht ohne. Am Oleander ist alles hochgiftig, an einem Kompott mit Rhabarberblättern kann man sterben, rohe Holunderbeeren enthalten Zyanid und am Philodendron sollte man nicht knabbern. Dabei hat Stewart noch nicht einmal die Tollkirsche erwähnt, aber die scheint ohnehin so gut wie ausgestorben.

Verschwunden und doch da

Es fängt mit einem Kriminalfall an, und endet, ja wie? Das muss sich der Leser selbst beantworten. Ein dreizehnjähriges Mädchen verschwindet bei einer Wanderung durchs ein Moor in England. Rebecca ist nur widerwillig mit ihren Eltern mitgegangen, wie Teenager halt so sind blieb sie trödelnd zurück und verschwand plötzlich. Das ganze Dorf, in dem die Familie ihre Ferien verbracht hat, ist in Aufruhr. Man sucht überall, in den Mooren und Speicherseen, und findet nichts.  Auf welche Weise das verschwundene Mädchen indirekt das Leben im Dorf beeinflusst, davon handelt Jon McGregors Roman Speicher 13 (liebeskind). Er erzählt von den Jahren danach, wie das ungelöste Rätsel die vielleicht nur minimalen Veränderungen im Leben der Dorfbewohner mitbestimmt. Auch wenn das Ereignis immer weiter zurückliegt, breitet es sich wie ein Miasma über das Dorf. McGregor beschreibt das Vergehen der Zeit anhand der Rhythmen in der Natur. Er schildert, wie Jahr um Jahr die Fasane balzen, die Wintergoldhähnchen ihre Nester bauen, wie die Füchse ihre Würfe aufziehen, die Jahreszeiten wechseln und die Dorfbewohner ihren Alltag leben. Sein mikroskopisch genauer Blick und seine gelassene, poetische Sprache faszinieren umso mehr als sie von dem was erwartet wird in eine gänzlich andere Sphäre wegführen.

 

Für Eilige

Für Eilige

Normaler weise ist Arne Dahl eine sichere Karte. Der Schwede führt allerlei Bestsellerlisten verdient an. Doch der neue Band Sechs mal Zwei (Piper)ist nur etwas für geduldige Leser. Man muss sich auf ein Verwirrspiel einlassen bei dem man lange nicht auseinanderhalten kann ob es sich um Realität, Traum oder Halluzinationen handelt. Es geht in diesem zweiten Band um das Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom, das sich diesmal hauptsächlich in eisig-winterlicher Umgebung durchkämpft. Guter Tipp: zuerst den ersten Band der Serie lesen: Sieben minus Eins. Dann wird der zweite Band schneller verständlich. Also entweder Sieben minus Eins verschenken -  oder am besten gleich beide Bände gemeinsam.

Auch abseits vom ausgetretenen Pfad der Bestseller gibt es sehr lohnenswerte Funde. Zum Beispiel Maurizio de Giovannis Frost in Neapel (Kindler). Der Autor arbeitet nach dem Latein-Studium in einer Bank, da der Vater ein Rechtsanwalt, früh starb und Giovanni als ältester Sohn die Familie unterstützen musste. Er schreibt sehr schnell, braucht nur einen Monat für ein Buch. Allerdings gehen dem sechs Monate Recherche voraus. Im winterlichen Neapel erregt ein ungewöhnlicher Doppelmord die Gemüter. Motiv und Tathergang scheinen unerklärlich. Inspector Lojacono und seine Truppe brauchen unbedingt ein Erfolgserlebnis, aber das erweist sich als überaus kompliziert.

Hannes Steins amüsanter Krimi, entspricht nicht ganz den Genre und das ist gut so. in Nach uns die Pinguine( Galiani) finden wir uns auf den Falklandinseln ein. In liebeswürdig verschnörkelter Form wird man dort in eine Idylle eingeführt: Man lebt friedlich vor sich hin, der Gouverneur und weitere maßgebliche, skurrile Würdenträger werden vorgestellt. Erst später kommt man drauf, dass auf diesem entlegenen Ort die letzten Überlebenden des dritten Weltkriegs  hausen. Angesichts des aktuellen nuklearen Säbelrasselns ist das ja gar nicht so überraschend, dass daran ein

ein cholerischer US-Präsident mit komischer Frisur seinen Anteil hatte. Not amused sind die sehr britischen Inselbewohner, als ihr Gouverneur erschlagen wird. Polizei gibt es ja keine und so muss sich die Zivilgesellschaft selbst auf die Suche machen. Sehr schräg und auf intelligente Weise lustig. Definitiv eine gelungene Synthese zwischen Moritat a la Poe und Dystopie.

 

Erinnerung gelöscht

Wer einer zu dieser Jahreszeit an einer Überdosis Kitsch, Hektik und Glitzer leidet findet bei Max Bronskis Oskar (Droemer) ein Gegenmittel. Jedenfalls  am Anfang: da findet sich ein gewisser Oskar  in einem billigen Sarg eingeschlossen und auf dem Transport zum Krematorium. Oskar, lediglich mit Boxershorts bekleidet, entkommt dem Sarg und dem Kombi und landet im Englischen Garten von München. Er hat das Gedächtnis verloren und keine Ahnung wer er ist, woher er kommt und warum er bei einem Gelegenheitsjob in einem einem Kiosk von einem Mafioso bedroht wird. Dieser muss auf bizarre Weise dran glauben; sein Slapstick-Abgang bringt weitere Verwicklungen. Dann kippt das Geschehen in eine historisch konkrete Zeit. Irgendwie ist Oskar mit den Geschehnissen in Südtirol verbunden als die Bombenleger- je nach Perspektive Heimatschützer oder Terroristen- gegen die Oberhoheit des italienischen Staates kämpften. Das sind nun  zwei Ebenen, die irgendwie nicht zueinander passen. Die Geschichte eines Kindes, das zwischen den Fronten aufwächst und seine Eltern in diesem Konflikt verliert, ist ein durchaus realistischer Entwicklungsroman. Der dünne Faden, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet ist der Sprengstoff. Den soll Oskar jetzt nicht wie seine Vorfahren zum Sprengen von Masten verwenden, sondern quasi zu seinem guten Zweck, nämlich einen umweltschädlichen Wasserspeicher in die Luft zu jagen. Das ist alles sehr bemüht und letztlich nicht überzeugend.

Da ist der im Vorjahr veröffentlichte Roman von Max Bronski viel konziser: Mad Dog Boogie (Kunstmann) handelt von einem Trio, das in einem Nobelheim für psychiatrische Fälle wohnt. Hier geht es  raffinierter um Gedächtnis und Erinnerung, um Möglichkeiten, Gehirne mit falschen Erinnerungen zu füttern und was von uns übrigbleibt, wenn wir uns auf unser Gehirn nicht mehr verlassen können.

 

 

Was er gesehen hat

Die studierte Biologin Meagan Miranda versucht in ihrem ersten Thriller Tick Tack (Penguin Verlag) ein Konstruktions-Experiment indem sie ihre Geschichte chronologisch verkehrt herum erzählt. Das sorgt zunächst für etliche Irritation, trotzdem bleibt  ziemlich nachverfolgbar, was geschieht. Es ist keine unübliche Ausgangssituation: eine junge Frau kehrt nach Jahren in das heimatliche Kaff zurück wo jeder jeden kennt. Ihre Jugendgang lebt noch im Ort und alle verbindet ein gemeinsames Geheimnis. Nic will versuchen, ihr Elternhaus zu verkaufen, nachdem ihr Vater, der in einem Pflegeheim bleiben wird,  zusehends den Kontakt zur Realität verliert und ihr eine scheinbar zusammenhanglose Botschaft zukommen hat lassen: „Dieses Mädchen, ich habe es gesehen". Nic ist klar, dass ihr Vater ihre Freundin Corinne meint, die damals spurlos verschwunden ist. Ganz schön finster, diese Rückwärts-Erzählung mit plastischen Horrorelementen.

Für Nostalgiker

Wer entschleunigte Krimis frei von Technik-Voodo liebt, für den ist der „neue" von Agatha Christie genau richtig. Passagier nach Frankfurt (Atlantik-Verlag)  wurde bereits 1970 auf Englisch veröffentlicht. Nun liegt die deutsche Ausgabe vor und erzählt die Geschichte eines britischen Ex-Diplomaten, der im nationalsozialistischen Deutschland eine mysteriöse Frau mit wechselnden Identitäten trifft.

 

 

Gruß aus der Küche

Nach den allenthalben gehypten Krimis von Veit Heinichen war dessen vorletzter Krimi Die Zeitungsfrau eine herbe Enttäuschung. Wenig spannend, eine verschwurbelte Geschichte im üblichen, diesmal aber schwach beschriebenen Biotop Triest, hat man sich vom neuen Krimi Scherbengericht (Piper) nicht allzu viel erwartet. Doch sieh da, dieser Band ist wieder lesenswerter. Es geht um einen Mann namens Albanese, der zu siebzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war und nach seiner Entlassung offenbar auf Rache aus ist. Alle, die damals zu seinen  Ungunsten ausgesagt haben,  - vor allem die Honoratioren der Stadt - werden zu Recht unruhig. Albanese hat im Gefängnis kochen gelernt und will ein eigenes Lokal aufmachen, man wirft ihm Prügel vor die Füße. Die korrupten Old Boys, die die Stadt regieren, würden gern weitermachen wie bisher. Commissario Laurenti ist ebenfalls beunruhigt. Hat er doch damals bei der Verurteilung von Albanese ein ungutes Gefühl gehabt. Heinichen beschreibt so nebenbei die Machenschaften im Containerterminal, bizarre Anekdoten über D'Annunzio und lästert über Kärntner Puffs, die ohne Italiener nicht überleben würden. Ein bisschen was hat sich doch geändert: Vor Jahren hatte man innige Geschäftsbeziehungen zur Hypo Alpe Adria, jetzt investiert man sein Schwarzgeld in Häuser von Bad Kleinkirchheim.

 

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instant Design Wien
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